Wer in den letzten Jahren auf der Bergkirchweih war, kennt das Bild: Schon auf der Anfahrt nach Erlangen sieht man es über den Dächern der Stadt, und von der Bergstrasse aus ist es das erste, was man wahrnimmt, noch bevor der erste Kastanienbaum in Sicht kommt. Das Riesenrad ist das Wahrzeichen der Bergkirchweih – sichtbar, unübersehbar, untrennbar mit dem Fest verbunden.
2026 dreht sich auf dem Burgberg zum ersten Mal ein neues Rad. Das legendäre Europarad, seit 1992 das Wahrzeichen der Bergkirchweih, ist endgültig Geschichte. Sein Nachfolger heisst Eyecatcher – und feiert 2026 seine Erlangen-Premiere. Dieser Artikel erklärt, was sich ändert, was bleibt und was das neue Riesenrad kann.
Den vollständigen Überblick zur Bergkirchweih 2026 findest du in unserem Bergkirchweih-Ratgeber.
Das Europarad: 33 Jahre Wahrzeichen
Um zu verstehen, was 2026 endet, lohnt ein kurzer Blick zurück. Das Europarad der Schaustellerfamilie Kipp & Sohn aus Bonn stand erstmals 1992 auf der Bergkirchweih – und blieb. Jahr für Jahr. 33 Mal. Für eine ganze Generation von Erlangern ist es das Riesenrad der Bergkirchweih, so wie das Festbier und die Kastanienbäume. Kinder, die in den Neunzigern zum ersten Mal in einer Gondel sassen, brachten drei Jahrzehnte später ihre eigenen Kinder mit.
Mit einer Höhe von 55 Metern und 42 Gondeln war das Europarad das grösste transportable Riesenrad der Welt – ein Superlativ, der zum Selbstbewusstsein des Festes passte. Die markanten drehbaren Gondeln, die bunten Stützen, das Lichtkonzept abends: Das Europarad war nicht nur hoch, es hatte Charakter.
Seinen letzten Auftritt hatte es 2025 – auch das eine Geschichte mit Wendungen. Eigentlich sollte das Europarad schon 2024 zum letzten Mal in Erlangen stehen, doch der Nachfolger liess auf sich warten. So kam das altgediente Rad noch einmal aus Italien, wo es eigentlich bereits dauerhaft stehen sollte, nach Erlangen gereist. Ein Abschied, der zwei Mal stattfand. Nach der Bergkirchweih 2025 ist das Europarad nun endgültig in Florenz zu bewundern – der neue Standort des inzwischen legendären Rads.
Der Eyecatcher: das neue Riesenrad 2026
Sein Nachfolger hat einen grossen Namen zu erfüllen. Der Eyecatcher – der Name ist Programm – ist ein Riesenrad der neuesten Generation, gebaut 2025 vom niederländischen Hersteller Mondial (Typ RR5542), betrieben von derselben Familie Kipp & Sohn. Er feierte seine Weltpremiere im November 2025 in Berlin, machte dann Station auf der Bremer Osterwiese 2026 – und kommt im Mai 2026 zum ersten Mal nach Erlangen.
Die technischen Eckdaten: 55 Meter Höhe – identisch mit dem Europarad. 42 Gondeln mit je 6 Plätzen. 252 Personen Kapazität gleichzeitig. Abmessungen 23 x 19 x 55 Meter. Eine Rundfahrt dauert acht bis zehn Minuten.
Was sich ändert gegenüber dem Europarad, sind vor allem die Gondeln: Sie sind beim Eyecatcher verglast und geschlossen. Das frühere Europarad hatte in seinen besten Jahren offene, drehbare Gondeln – ein Alleinstellungsmerkmal, das viele Besucher liebten. Mit dem Wechsel auf geschlossene Gondeln verliert das Riesenrad etwas von diesem besonderen Freiluftgefühl, gewinnt dafür aber Wetterschutz und Komfort. Gerade an kühlen Pfingstabenden, wenn der Wind über den Burgberg zieht, ist eine verglaste Gondel kein Nachteil.
Was der Eyecatcher besser kann
Das neue Riesenrad bringt gegenüber seinem Vorgänger einige echte Verbesserungen mit. Die wichtigste: alle 42 Gondeln sind vollständig barrierefrei. Beim alten Europarad gab es lediglich eine einzige barrierefreie Gondel. Wer auf einen Rollstuhl angewiesen ist oder aus anderen Gründen eingeschränkt ist, konnte die Fahrt oft nicht problemlos antreten. Das ändert sich jetzt grundlegend.
Dazu kommt eine Kleinkindgondel, die speziell auf die Bedürfnisse von Familien mit sehr kleinen Kindern ausgelegt ist, sowie eine VIP-Gondel für besondere Anlässe. Alle Gondeln verfügen ausserdem über einen integrierten Audioguide, der während der Fahrt Informationen über das Riesenrad und das Festgelände liefert.
Technisch ist der Eyecatcher deutlich effizienter als sein Vorgänger: Der Aufbau benötigt nur 8 Sattelschlepper statt 18 Spezialfahrzeugen, kommt ohne grossen Kran aus und kann in einem einzigen Tag fertiggestellt werden. Betrieben werden kann das Rad mit nur drei Personen. Für die Schaustellerfamilie Kipp bedeutet das erheblich reduzierte Transport- und Betriebskosten – was langfristig auch dem Preis zugutekommen kann.
Was bleibt: 55 Meter über Erlangen
Was das Riesenrad auf der Bergkirchweih ausmacht, ist weniger die Technik als das Erlebnis. In 55 Metern Höhe öffnet sich eine Aussicht, die auf dem Festgelände einmalig ist: das gesamte Burgberg-Gelände mit seinen Kastanien, Lampions und Bierzelten aus der Vogelperspektive, die Erlanger Innenstadt, bei klarem Wetter der Horizont bis weit ins fränkische Umland.
Tagsüber ist die Aussicht klar und weit. Abends, wenn das Gelände leuchtet, die Karusselle ihre Lichter drehen und die Musik der Keller den Berg beschallt, wird die Fahrt zu etwas anderem – einem der wenigen ruhigen Momente auf einem Volksfest, hoch oben, während das Treiben unter einem weitergeht. Das Europarad bot diesen Moment. Der Eyecatcher wird ihn ebenfalls bieten, in geschlossenen Gondeln mit Blick durch Glas statt freiem Wind – aber mit demselben Blick.
Das Riesenrad steht, wie seit Jahrzehnten, am rechten Ende des T-Kreuzungsbereichs auf dem Gelände – wer vom Eingang an der Bergstrasse hochläuft und am T rechts abbiegt, findet es nach wenigen Metern. Es ist das höchste Fahrgeschäft auf dem gesamten Gelände und von der gesamten Bergstrasse aus zu sehen.
Praktische Infos: Preis, Wartezeiten, Barrierefreiheit
Eine Fahrt im Riesenrad kostet auf der Bergkirchweih erfahrungsgemäss zwischen 8 und 10 Euro pro Person. Die endgültigen Preise für 2026 werden kurz vor dem Fest bekannt gegeben. Am Familientag (28. Mai 2026) – dem zweiten Donnerstag der Bergkirchweih – kostet das Riesenrad wie alle anderen Fahrgeschäfte nur die Hälfte des Normalpreises. Wer mit Kindern kommt, plant diesen Tag gezielt ein.
Wartezeiten sind am Riesenrad besonders an Wochenendabenden und zum Pfingstwochenende erheblich. Wer in Ruhe fahren und die Aussicht geniessen möchte, wählt einen Wochentag oder kommt am frühen Nachmittag. Die grösste Kapazität des Eyecatchers – 252 Personen gleichzeitig – lässt die Schlange schneller abbauen als bei kleineren Fahrgeschäften.
Barrierefreier Zugang: Alle 42 Gondeln des Eyecatchers sind für Rollstuhlfahrer zugänglich. Das ist ein wesentlicher Fortschritt gegenüber dem Europarad und macht das Riesenrad 2026 für alle Besucher erreichbar.
Alles zu Fahrpreisen und Budgetplanung für den Bergtag steht in unserem Kosten-Artikel. Wer mit Kindern kommt, findet weitere Tipps im Familienartikel.